Romy Mäuslein's profileromymaeusleininkambodsch...PhotosBlogLists Tools Help

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    December 20

    Wir machen Urlaub! In Kambodscha.

    Dirk und ich sind aufgebrochen. Wir haben Urlaub. Ich habe in Phnom Penh alles beendet. Die Arbeit ist meinerseits abgeschlossen. Die Berichte geschrieben und nach Deutschland verschickt und nun sind wir seit 6 Tagen unterwegs. Mit dem Moped, der alten Dailim von meinem Khmerlehrer aus Phnom Penh. Wir sind in Kampot gelandet und spannen hier erstmal aus. Wir haben das Glueck bei Bekannten im Haus zu wohnen. Sie haben dekadent ein Wochenendhaus in Kampot, am Fluss. Es ist genau das Richtige zum entspannen.Endlich kann ich ausschlafen, Buecher lesen, in der Haengematte alle Viere von mir strecken und die Zeit geniesen und den Luxus mal nichts zu tun. Sonst fuehrt uns unser Moped einmal am Tag zum Markt, es gibt lecker Seafood, einen Khmer Kaffee und spaeter noch einen Fruchtshake. Mehr brauche ich gerade nicht.

    Einen Reiseplan haben wir nicht, wir bleiben hier bis es uns langweilig wird, bis die Buecher ausgelesen sind und es uns weiter draengt.
    Bis bald ...
    December 14

    Ich bin fertisch!!!! :)

     
     
    Heute habe ich meine 4 Kisten nach Deutschland verschifft, sie brauchen 3 Monate und werden im März mit mir ankommen. Meine Berichte sind auch abgeschickt - ich habe Urlaub!
     
    Morgen früh schwingen Dirk und ich uns auf das orange Mopedchen und düsen durch Kambodscha und wir werden sehen, wo uns der Weg hinführt.
    Ab jetzt kommen Reiseberichte.
     
    Liebe Grüße und eine schöne Weihnachtszeit sende ich Euch, Gruß Romy
    December 13

    WOVD Standing Volleyball World Cup - Michael Hubers Eindruck

     

    Hier ist Michael Hubers Eindruck vom World Cup! Von ihm sind die meisten Bilder zum World Cup auf dem Blog. Vielen Dank an ihn nochmal.

    Viel Spaß beim Lesen.

     

    Zunaechst herzliche Gruesse aus Phnom Penh! Nach zwei unglaublichen Wochen und 1200 Fotos kommt hier mein erster Beitrag - natuerlich ueber den World Cup fuer Standing Volleyball. Es war eine sehr anstrengende, aber auch eine grossartige Zeit. Wie die Baelle gingen die Emotionen herauf und herunter und zum Schluss hat die Freude gesiegt. Aber hier kommt jetzt mein Bericht und ich wuensche viel Spass beim Lesen:

     

    Es ist Mitternacht in Phnom Penh. Vor einigen Jahren noch waere es undenkbar gewesen, um diese Zeit auf dem Fahrrad durch die Stadt zu fahren, aber es hat sich vieles geaendert hier. Zahlreiche Restaurants sind noch offen und auf den beleuchteten Strassen tuckern die Motorraeder. Vor einigen Stunden ist der World Cup fuer Standing Volleyball – das heisst Volleyball fuer Behinderte und wird nicht im Sitzen sondern mit Prothesen ganz normal gespielt - zu Ende gegangen. Der deutsche Botschafter hatte seine Mannschaft nach ihrem Sieg ueber die Slowakei zu sich eingeladen und die kambodschanische Mannschaft ebenso. Sie haben Platz drei erreicht und ebenfalls eine Medaille erkaempft. Mit den Deutschen verbindet sie eine echte Freundschaft und dieser Abend zeigt das ganz deutlich. Wir essen gut und geniessen es, dass diesmal die Reden vor dem Dinner ausgefallen sind. Es ist schon sehr spaet und gegen Mitternacht verlasse ich diese entspannte Feier. Muede schleiche ich auf dem alten Fahrrad heim und schaue auf zwei sehr bewegte Wochen zurueck.

    Bei meiner Ankunft gerate ich direkt in einen Hexenkessel. Der Countdown fuer den World Cup ist schon ganz weit unten und der Stresspegel entsprechend hoch. Es ist ja nicht nur ein Ereignis unter anderen, sondern der erste World Cup in Kambodscha ueberhaupt. Fuenf Nationen werden als Gaeste erwartet – die Kambodschaner sind ja schon da.Die Regierung und das ganze Land schauen zu, was da abgeht und sie schauen ganz genau hin. Es ist ein historisches Ereignis und geeignet, dem Land gute Schlagzeilen zu liefern nach Minen, Korruption und Sextourismus. Aber dazu muss alles funktionieren und jeder direkt oder indirekt Teilnehmende angemessen beruecksichtigt werden.

    Chris Minko vom CNVLD (Cambodian National Volleyball League Disabled) hat fuer diese Aufgabe eine sehr kleines Team, aber sie arbeiten alle sehr effektiv. Mittlerweile liegen die Nerven blank und Freiwillige, zu denen auch ich gehoere, muessen neben ihrer Arbeit auch wieder etwas frischen Wind und Zuversicht einbringen. Es ist ein beeindruckender Haufen dieser Freiwilligen angetreten. Sie arbeiten hart – zum Teil auch rund um die Uhr. Das Stadion muss aufpoliert und sechs Raeume eingerichtet werden. Es ist ein architektonisches Schmuckstueck aus den Sechzigern, an dem der Zahn der Zeit sichtbar genagt hat. Die Weltorganisation fuer Volleyball fuer Behinderte (WOVD) hat hohe Standarts definiert und diese muessen ohne Gnade erfuellt werden. Das Material hat Christian Zepp mitgebracht – er ist der deutsche Trainer der kambodschanischen Mannschaft und wird vom Deutschen Olympischen Sportbund finanziert. Seit zwei Monaten ist er schon in Phnom Penh und trainiert die Nationalmannschaft. Ich wohne im selben Hotel wie er, aber dort kennt man ihn nur wenig. Er ist von morgens bis abends bei seinem Team, das in der Naehe in einem Haus in Klausur lebt. Ausser Essen – dem besten, denn Sopheap ist eine wunderbare Koechin – gibt es nur Volleyball in Theorie und Praxis. Socheat arbeitet mit ihm und uebersetzt alles ins Khmer.

    Bei den gemeinsamen Sitztungen verteilen Chris und Neil die Aufgaben und es geht kurz und knapp zur Sache. Listen werden abgearbeitet und die Telefone rauchen. Trotzdem passieren die vielen kleinen Katastrophen. Die Druckerei hat geschlampt, Termine werden  nicht gehalten und immer wieder kommen Sonderwuensche von den Behoerden. Ein Name stimmt nicht und ein ganzer Satz Druckstuecke wandert in den Abfall.

    Dann schweaermen alle aus. Auf Motorraedern, in Tuktuks und im LKW. Ich fahre mit und dokumentiere auch diesen Teil des Events. Neben mir sitzt Rob aus England, der hier in Kambodscha lebt. Eine von diesen Geschichten, die man hier in immer anderen Variationen hoeren kann. Er kommt aus London, wo er in einer weniger guten Gegend gelebt hat. Eines nachts sind Einbrecher in sein Haus eingedrungen und haben ihm sein eigenes Brotmesser in den Bauch gestochen. Danach hatte er dieses Leben satt und hat erst einmal seinen Freund Neil in Phnom Penh besucht – sozusagen um Distanz zu gewinnen. Nach vier Wochen musste er wieder heim, hat aber schon einmal sein ganzes Gepaeck in Phnom Penh gelassen.  Kurz darauf war er zurueck, hat eine Kambodschanerin geheiratet und ein Haus gekauft. Er lebt hier als freiberuflicher Buchhalter – seine Frau Srea ist Reiseleiterin. Das Londoner Wetter und das Brotmesser sind Vergangenheit.

    Wir fahren kreuz und quer durch die Stadt, holen Tafeln, Schilder, Topfpflanzen, Sonnenschirme und was auch sonst notwendig ist an den verschiedensten Orten ab. Bei dieser Gelegenheit komme ich zu Don Bosco und treffe Pater Leo. Es ist eine sehr herzliche Begegnung, auch wenn wir beide wenig Zeit haben. Die ganze LKW-Ladung muss ja noch ins Stadion und ist nur eine von vielen. Gleichzeitig wird im Hotel Goldiana, wo die fuenf Gastmannschaften absteigen werden, ein Buero eingerichtet. Hier koennen die Gaeste waehrend des gesamten Aufenthalts Auskuenfte bekommen. Auch Tuktuks oder Taxis koennen sie buchen. Ein Pendeldienst zum Stadion wird mit Bussen organisiert.

    Das alles in Phnom Penh ist bereits eine anspruchsvolle Aufgabe. Aber als zusaetzlicher Kick kommt noch das Wasserfest hinzu, das mit der Ankunft der Mannschaften und der feierlichen Eroeffnung zusammenfaellt. In Phnom Penh ist es auf den Strassen nie wirklich langweilig. In den Rush Hours bricht regelmaessig alles zusammen und auch sonst ist das Verkehrsgeschehen mindestens anspruchvoll. Wenn jetzt zu dieser Situation noch einmal ebenso viele Besucher wie Einwohner einfallen, wird es unvorstellbar. Ich koennte mitten im Verkehr mein Fahrrad stehen lassen – es wuerde nicht umfallen, sondern langsam mit der Masse weiterrollen. Auch zu Fuss geht oft nichts mehr. Ein Bustransfer von wenigen Minuten wird dann ein abendfuellendes Programm. Es sei denn, man haette eine Polizeieskorte und auch das hat Chris geschafft. 

    Als erstes Team kommt das deutsche an. Wir begruessen sie im “Goldiana” und “Papa”, ihr Trainer, faellt uns in seiner herzlichen Art um den Hals. Die grosse Maschine dieses Unternehmens laeuft jetzt an. Und es geht gut. Jeder ist auf seinem Platz, als in den kommenden Tagen die Mannschaften ankommen. Trainingsplaene stehen bereits, Begruessungspakete werden ausgegeben, Busse warten und die ersten Meetings der eingeflogenen Funktionaere, Aerzte und Trainer finden statt. Die Augen blicken von der langen Anreise noch etwas muede in die fremde Umgebung, aber das legt sich bald. Fuer die Euroaeer und die Kanadier kommt auch noch ein enormer Klimawechsel hinzu. Aber die Zeitplaene lassen keine Luecke offen und alle machen sofort voll mit. Im Hintergrund laeuft die Organisation noch auf vollen Touren. Sokunthea ist die Uebersetzerin und Medienbeauftragte. Sie haelt sich trotz der zweiten durchgemachten Nacht immer noch aufrecht im Rollstuhl und verliert ihre Freundlichkeit nur, wenn sie auf Inkompetenz und Unzuverlaessigkeit trifft. Auch kleine Personen koennen eine grosse Persoenlichkeit haben. Sie gehoert zweifellos dazu.

    Parallel zum Training findet im Stadion die Klassifizierung der Spieler durch ein internationales Aerzteteam statt. Das ist bei behinderten Sportlern eine ziemlich komplizierte Angelegenheit, denn trotz der vielen individuellen Unterschiede muss zum Schluss ein vergleichbares Niveau hergestellt werden. Daher dauert dieser Prozess auch entsprechend lange und in einer sehr respektvollen Athmosphaere. Ueber den Koerper eines Menschen zu urteilen hat schliesslich auch einen hohen Anspruch an Wuerde und Anstand.

    Am 24. November 2007 ist die feierliche Eroeffnung des World Cups 2007. Der Schirmherr ist Ministerpraesident Samdech Hun Sen  und er hat sein ranghoechstes Kabinettsmitglied, Exzellenz Sok An, geschickt. Sozialminister Ith Sam Heng  ist ebenfalls anwesend. Er und sein Sohn haben immer wieder Unterstuetztung geliefert. Die Medien draengen sich und die Sache wird live uebertragen. Zuerst sprechen die 30 anwesenden Moenche ihren Segen und die vertretenen Ministern ueberreichen Geschenke. Nach den Ansprachen und den Begruessungsworten tanzen 60 Apsara-Taenzerinnen den klassischen Tanz der Khmer. Alle auslaendischen Gaeste stehen auf dem Spielfeld hinter den Schildern ihrer Nation. Kinder der Lavalla-School fuer behinderte Kinder halten diese Schilder und tragen die nationale Tracht. Ein Tenor singt die kambodschanische Nationalhymne.

    Nach dieser Feier folgt das erste Match Kambodscha – Indien. Die Inder zeigen sich sehr schwach und Kambodscha siegt schnell und hoch. Die offiziellen Besucher verlassen das Stadion und von nun an laeuft die Sache nach dem grossen Plan, der in den vielen Wochen zuvor erarbeitet wurde. Drei Spiele pro Tag – insgesamt sind es 22 - dazwischen Training und immer wieder ein spezielles Ereignis am Rande. Die Busse pendeln und nach dem Wochenende wird alles einfacher, weil das Wasserfest zu Ende ist. Ueber zwei Millionen Besucher verlassen die Stadt in einem regelrechten Exodus.

    Ausser den Volleyballmannschaften aus sechs Nationen, der Organisation und den fleissigen Haenden im Hintergrund gibt es noch viele andere Beteiligte, die eine wichtige Rolle spielen. Das sind zunaechst die Rennrollstuhl-Teams des CNVLD. Sie sind alle erschienen und saeumen das Spielfeld an allen Tagen. Frueh morgens bei Sonnenaufgang trainieren sie auf dem Gelaende vor dem Stadion und fuer den Tag der Finale ist ein kurzes Sprintrennen geplant. Sie stehen daher schon um vier Uhr auf, verbringen den Tag im Stadion und werden erst nach dem letzten Spiel in ihre Unterkunft gefahren. Da wundert es kaum, dass manchmal jemand einfach im Rolli einschlaeft. Ihre Anwesenheit gibt dem Volleyballteam solidarische Unterstuetzung und sie sehen in den neuen Rennern praechtig aus. Unterstuetzung bringen aber vor allem die Zuschauermassen – sie kommen in Scharen. Das Stadion ist auch reichlich gefuellt, wenn Kambodscha nicht spielt. Der Laermpegel ist unbeschreiblich. Sie bringen Trommeln mit und benutzen praktisch alles, um die Spieler anzufeuern. Manchmal ist die Schmerzgrenze erreicht und die Ohren pfeifen. Natuerlich ist das am wildesten, wenn “Ihre” Leute spielen, aber die Zuschauer sind fair. Jede gute Leistung wird belohnt – in erster Linie zaehlt guter Sport. Fuer die Spieler ist das ziemlich ungewohnt, denn Standing Volleyball gehoert in anderen Laendern nicht unbedingt zu den Ereignissen, die die Strassen leeren. Natuerlich macht es Spass vor Tausenden von tobenden Menschen zu spielen und die Begeisterung ist gross. Ein World Cup in Kambodscha ist eben etwas anderes und schafft besondere Stimmungen. Greg Steward aus Kanada ist 2.15 Meter gross. Er ist hier ein Naturereignis und als Spieler gefuerchtet. Trotzdem siegt Kambodscha ueber Kanada. Und als Greg dann im Spiel der Kambodschaner gegen die Slowakei in voller Groesse mit einer kambodschanischen Fahne in der Hand auf der VIP-Tribuene aufspringt, bekommt er den Beifall seines Lebens. Er hat mit dieser Geste alle Herzen im Sturm erobert und sein Auftritt wird vom TV-Sender CTN in die Welt geschickt. CTN ist ununterbrochen dabei und sendet mehrmals taeglich Mitschnitte. Ueberall in Phnom Penh werde ich ueber den Verlauf der Spiele angesprochen.

    Gerade im Hinblick auf Greg und die kambodschanischen Spieler mutet es seltsam an, von gleicher Augenhoehe zu sprechen, aber im uebertragenen Sinn funktioniert es. Der World Cup ist hervorragend organisiert, kleine Probleme werden umgehend geloest und die Beteiligung seitens der Regierung, der Medien und der Oeffentlichkeit ist einzigartig. Der Gedanke, dass hier ein armes Drittweltland auch einmal versucht mitzumischen, ist voellig abwegig. Auch das sportliche Niveau Kambodschas kann sich sehen lassen. Die Favoriten fuer Gold sind Deutschland, die Slowakei und Kambodscha. Alle drei Mannschaften spielen auf demselben Level und letztlich sieht das Endergebnis auch entsprechend aus. Deutschland bekommt Gold, die Slowakei Silber und Kambodscha Bronze. Die letzte Spiele gehen so knapp wie moeglich aus und werden alle nach fuenf Saetzen mit jeweils nur zwei Punkten gewonnen. Knapper geht es nicht. Polen erreicht Platz vier, Kanada fuenf und Indien ist das Schlusslicht. 

    Den dritten Platz muessen die Kambodschaner gegen die Polen verteidigen, was ihnen auch gut gelingt. Zum Endspiel Deutschland – Slowakei bleibt das Stadion gefuellt und es gibt noch einmal einen unglaublichen Laermpegel. Bis zum Schluss harren alle aus und immer mehr Khmer ueben den deutschen Schlachtruf. Auch deutsche Fahnen sind begehrt – der Botschafter haette viel mehr davon mitbringen duerfen. Hier zeigt sich schon die Freundschaft zwischen dem deutschen und dem kambodschanischen Team und den Sieg der Deutschen feiern beide Mannschaften gemeinsam. Papa wird von den Kambodschanern in die Hoehe gehoben, wie sie das mit ihrem Christian auch gemacht hatten. Dazu passt es auch, dass Christian der Schueler von Papa ist.  Ja, und dann ziehen sie nach der Uebergabe der Medaillen und der Pokale fuer besondere Leistungen gemeinsam in den Garten der deutschen Botschaft und feiern bis vier Uhr morgens.

    Die kambodschanischen Spieler freuen sich ueber ihre Medaille, die Regierung ueber die guten Nachrichten aus ihrem Land, Chris ueber den Erfolg seines Teams, die Gaeste ueber einen aussergewoehnlichen World Cup, die Medien ueber eine interessante Berichterstattung und die Zuschauer ueber eine Woche mit spannenden Spielen. Ich freue mich ueber meine Fotos aber mehr noch ueber die vielen kleinen Begegnungen, die zusammen etwas sehr grosses darstellen. Aber das alles waere eine neue Geschichte. 

     

    December 07

    Der 4. WOVD Standing Volleyball World Cup in Phnom Penh, Kambodscha vom 24.11. 2007 bis 01.12.2007

    "I survived in Cambodia" - die letzten 2-3 Wochen war ich für Freunde und Familie von der Bildfläche verschwunden. Hier bin ich wieder mit einem ausführlichen World Cup Bericht:

     

    Die Vorbereitungen liefen seit ca. 6 Monaten, seit 2 Monaten auf Hochtouren, die letzten 2 Wochen vor Beginn waren 100% dem Geschehen gewidmet und die letzten 2 Tage vor der Eröffnungsveranstaltung waren Ausnahmezustand.

    Ich wusste bis dato nicht, dass man ohne viel Schlaf, ohne wirklich zu Essen, nur mit Kaffee so extrem viel Arbeiten kann. Jeder von uns hatte einen 15 – 20 Stunden Tag, in der Regel nur mit einer 45min Mittagspause. Der permanente Arbeitsstoff ließ das Adrenalin auf gleichem Level bleiben, wenn die Energie nachließ, half der starke schwarze Khmer-Kaffee und zur Not eine Behandlung bei unserem Team-Chiropraktiker.

     

    Es war eine gigantische Veranstaltung!

     

    Das CNVLD Team bestand aus unseren 4 Khmer Mitarbeiterinnen:

    Sokounthea – zuständig für die Medien und die Kommentation während der World Cup Spiele.

    Seyhan – zuständig für die Rennrollstuhlfahrer und Assistentin der Internationalen Schiedsrichter am Schiedsrichterpult.

    Socheat – zuständig für die Kambodschanische Nationalmannschaft.

    Pheary – zuständig für die Logistik und den Transport der Mannschaften und Offiziellen.

     

    Des Weiteren gehörten zum Team:

    Chris Minko – der Direktor des Welt Cups

    Neil – zuständig für die Logistik, den Aufbau, die Koordination und die Kommentation während der World Cup Spiele.

    Julie – zuständig für die Finanzen.

    Michael – ist der Haus-und-Hof-Fotograf von CNVLD.

    Christian – der National Trainer

    Aaron - CNVLD Chiropraktiker

    Romy – zuständig für die WOVD und lokalen Schiedsrichter und den Ablauf der Welt Cup Spiele

    Sowie rund 20 nationale und internationale ehrenamtliche Helfer.

     

    Vorbereitung

     

    Am Donnerstag, den 22.11.2007, bezogen wir das Olympia Stadion in Phnom Penh. Ich bot Chris meine Hilfe an, denn ich hatte soweit meine Arbeit erledigt und nichts Wichtiges für Donnerstag zu geplant. Was für ein Fehler J. Ab da an kam ich nicht mehr aus dem Stadion raus!

    Viele Kleinigkeiten mussten noch erledigt werden. Der Schiedsrichterstuhl wurde neu gestrichen, die Flure und Umkleiden noch mal neu getüncht. 1000 kleine Jobs. Und „by accident“, durch Zufall, lief ich den WOVD (World Organisation Volleyball for Disabled) Schiedsrichtern über den Weg, die auf der Suche nach einem CNVLD Mitarbeiter waren. Ab da an hatte ich meine Aufgabe für die kommenden 10 Tage.

    Das Stadion war gut ausgestattet, aber auf dem Spielfeld mussten noch viele kleine Dinge erledigt werden. Drei A4 Seiten mussten innerhalb von 4 Stunden abgearbeitet werden, Lösungen ausgedacht und kleinere Erfindungen gemacht werden. Die Netzstangen auf dem Feld mussten gepolstert werden, die Linien im Stadion neu abgeklebt, die Lampen an der Decke repariert, die elektronische Anzeigentafel in Gang gesetzt und unter anderem 24 Ehrenamtliche Helfer organisiert werden. Das Equipment ließ noch etwas zu wünschen übrig. Wir hatten keinen Buzzer für die Trainer, um den Schiedsrichtern Auszeiten und Wechsel anzuzeigen. Für die ersten Tage habe ich die Klingeln der Fahrräder in meinem Haus abgeschraubt. Später wollten wir eine elektronische Hausklingel benutzen, aber aus welchen Gründen auch immer funktionierte sie nur in bestimmten Ecken des Stadions. Somit mussten die Trainer die altbewährten Handzeichen benutzen. Als Anzeigenschilder für die Auswechselspieler hielten Tischtennisschläger her, bedruckt mit den Ziffern. Und Abtropfbehälter aus der Haushaltwaren Abteilung im Supermarkt wurden zurechtgeschnitten und umfunktioniert, um die Tischtennisschläger einzusortieren.

    Die größte Herausforderung für mich, während des gesamten World Cups war, Ehrenamtliche zu finden. Von Anfang bis Ende war mein Anliegen Kambodschaner auf dem Spielfeld zu haben, denn die Spiele waren „Live on Air“. Ich wollte keine „Western Kids“ als Balljungen, Linienrichter und Wischmobber haben, denn es war schließlich ein kambodschanisches Event. Über die kommenden 8 World Cup Tage kostete mich diese Aufgabe viele graue Haare, Herzrasen und stressige Momente. Für die Eröffnungsspiele hatte ich CNVLD Volleyballspieler verpflichten können. Obwohl Kambodscha erfolgreich gespielt hatte, waren sie nicht willig am nächsten Tag wiederzukommen. Nicht, wenn wir ihnen nicht 5$ pro Tag zahlen würden, zu den Kosten die wir sowieso schon übernahmen. Nach immerhin schon 17 Stunden Arbeit an dem Tag, Organisiererei und Rumgerenne war das zuviel für mich. Ich schickte sie heim. Ich war frustriert und fertig mit den Nerven. An diesem Abend, es war immerhin schon 22.00 Uhr, musste ich 12 neue Balljungen etc. organisieren. 23.30 Uhr hatte ich sie halb sicher an Board. Ich weiß noch, dass ich an dem Abend in den Wein-Club der WOVD Schiedsrichter aufgenommen wurde, nachdem ich mich endlich hinsetzen konnte und Mitternacht das erste Essen zu mir nahm. Das war der Eröffnungstag und genauso liefen die folgenden Tage ab.

     

    Eröffnung und Welt Cup Beginn

     

    Die Eröffnungsfeier war ein Erfolg. Alle CNVLD Rennrollstuhlfahrer und Volleyball Athleten waren da. Die La Valla Kids standen in der ersten Reihe und repräsentierten die Flaggen und Länderschilder für die Internationalen Offiziellen, Schiedsrichter und Teams.

    Der World Cup wurde durch buddhistische Mönche gesegnet. Die Minister waren anwesend, die Botschafter wurden eingeladen.

     

    Deutschland, Indien, Kanada, Polen, Slowakei und Kambodscha nahmen an dem 4. WOVD Standing Volleyball World Cup teil.

    Das Eröffnungsspiel wurde zwischen Kambodscha und Indien bestritten und damit hatten die Kambodschaner einen sehr guten Start. Sie gewannen überlegen 3:0.

    Täglich waren Spiele um 10.00 Uhr, 16.00 Uhr und 18.00 Uhr. Die ersten 5 Tage waren die Vorrundenspiele bei denen jeder gegen jeden spielte. Kambodscha gewann gegen Indien, verlor gegen die Slowakei und Deutschland, gewann danach gegen Polen und im letzten Vorrundenspiel gegen Kanada. Team Kanada war der amtierende Weltmeister. Somit war es ein Riesenerfolg für das Kambodschanische Team, Kanada zu bezwingen.

     

    Deutschland und die Slowakei waren die Favoriten, Kambodscha wurde als Dritter schon geahndet. Aber in den Playoffs war immer noch alles drin. Leider verlor das Kambodschanische Team knapp im 5. Satz gegen die Slowakei und somit war der Traum vom Finale ausgeträumt … die Kambodschaner hatten sich hochgespielt, sind während des Wettkampfes immer besser geworden und waren umso enttäuschter, dass es dann doch nicht reichte. Aber ich muss sagen, alle Achtung, am nächsten Tag standen sie motiviert auf dem Platz und haben um Platz 3 gegen Polen gekämpft und überlegen gewonnen.

     

    Der Finaltag war ein voller Erfolg. Kambodscha belegte Platz 3 und Deutschland erkämpfte sich in einem 5-Satz-Match den Sieg, nachdem die Slowakei mit nur noch 3 Punkten dem Sieg nahe war. Deutschland ist Weltmeister im Standing Volleyball.

    Und im Anschluss an die Zeremonie gab es einen Empfang in der Deutschen Botschaft und danach feierten die Deutschen und die Kambodschaner zusammen bis in die frühen Morgenstunden.

    Es war ein gigantisches Fest gewesen!

     

    Welt Cup Verlauf

     

    Die Spiele wurden im Verlauf des Welt Cups immer besser, die Organisation von unserer Seite im Stadion sowie der Transport der Spieler und Offiziellen taktete sich ein und somit lief es von Tag zu Tag besser. Der Tag der Eröffnungsfeier und der Sonntag darauf waren komplizierter, denn es fiel zusammen mit dem Wasser Festival in Phnom Penh. Über diese Tage war Ausnahmezustand in Phnom Penh, 100 000te strömten in die Stadt. Es war schwierig für uns Equipment, Leute und Fernsehen für den Welt Cup zu bekommen. Alles und jeder war an der Riverside beim Wasser Festival. Ab Montag war es dann auch leichter hier und da den einen oder anderen Ehrenamtlichen zu finden. Obwohl das über die ganze Zeit hinweg ein schwieriges Unterfangen war und ich zweimal sitzen gelassen wurde und immer wieder neue Leute als Balljungen und Wischmobber angelernt habe … klingt nicht dramatisch, aber zu einem Welt Cup sollten auch die kleinen Jobs mit gewisser Präzision gemacht werden – man präsentiert sich - vor dem Publikum, CNVLD vor dem Weltverband und der WOVD weltweit. Also ich hatte schon den Anspruch von Perfektion, wer mich kennt, kann sich das sicherlich auch vorstellen. Deshalb war es immer wieder ein Keulenschlag, wenn ich zu hören bekam, dass meine Balljungen und Wischmobber am nächsten Tag nicht wiederkommen wollten. Grundsätzlich ging es ums Geld. Ich hab immer wieder versucht, Geduld und Verständnis zu üben, aber bei dem Arbeitspensum und dem Schlafmangel war das manchmal nicht möglich und die Enttäuschung über das Verhalten der Kambodschaner groß. In den Momenten hab ich mich gefragt, wofür, für wen und warum wir den Welt Cup eigentlich ausrichteten. Aber das waren Momente der Erschöpfung. Sobald man die Sportler gesehen hat und die ersten Zuschauer kamen, war das Adrenalin wieder da und es ging weiter.

     

    Bei den zwei Kambodscha-Spielen, als das Team verlor, machte ich eine neue Erfahrung. Das Publikum verließ mit dem Abpfiff des 2. Satzes das Stadion! Heee, das Spiel war noch gar nicht vorbei … dann begriff ich, dass in Kambodscha auf den Volleyballfeldern nur 2 Sätze gespielt werden. Nach den alten Regeln von vor 8 Jahren. Auch verließen die Kambodschaner sofort die Ränge sobald sie der Meinung waren, dass das Kambodschanische Nationalteam verliere.

     

    Auf der anderen Seite haben wir über die 8 Spieltage eine gigantische Stimmung im Stadion aufbauen können. Die Spiele wurden zum Teil live übertragen und gegen Ende hin kamen mehr und mehr Leute, die Spiele wurden besser und das Publikum heizte mehr ein. Irgendwann hielt es Chris nicht mehr auf den Rängen und er verteilte die kleinen Fähnchen, auch wenn sie vom Ministerium verboten waren, weil sie falsch bedruckt waren. Er teilte sie aus und das Publikum puschte das Kambodschanische Team im Spiel gegen Kanada zum Sieg. Es war eine gigantische Atmosphäre – tanzende, aufspringende und kröllende Khmers zu sehen. Die Akustik im Stadion war gigantisch. Zu den Highlight Spielen kamen an die 2000 Zuschauer und das Spiel um Platz 3, in dem Kambodscha gegen Polen kämpfte und gewann, war eine gigantische Party.

     

    Am Finaltag mit dem gigantischen Ergebnis: Kambodscha Platz 3 und Deutschland Platz 1 lud der Botschafter nach den Spielen in die Residenz zum Dinner ein. Es war eine tolle Atmosphäre und nachdem sich alle den Bauch mit Kartoffelsalat und Bratwürsten vollgeschlagen hatten, gingen wir gemeinsam tanzen. Es war richtig schön zu sehen, wie die kambodschanischen Spieler mit den Deutschen feierten.

      

    Rennrollstuhlfahrer

     

    Meine 35 Rennrollstuhlfahrer waren seit Freitag vor dem Welt Cup Beginn in Phnom Penh. Die gesamte Woche über trainierten wir jeden Morgen um 5.00 Uhr im Olympia Stadion. Ich muss sagen, das war hart für mich (die Uhrzeit) … aber mein Job. Die Rollifahrer mussten sich an ihre neuen Rennrollstühle gewöhnen. Und wir trainierten die 100m Sprints. Trotzdem kamen sie ein wenig zu kurz. Denn direkt nach dem Training hab ich meine Kleider gewechselt und musste im Stadion auf dem Spielfeld arbeiten, für die Spiele alles vorbereiten und während dessen die 1000 Kleinigkeiten erledigen, die die WOVD Schiedsrichter zu beanstanden hatten. Die Rollifahrer blieben in der Regel für die Volleyballspiele und sorgten auch für aufheizende Stimmung.

     

    Am Samstag, vor dem Finale, hatten die Rennrollstuhlfahrer ihren Auftritt. Wir hatten ein 100m Exhibition Race organisiert. Die neuen Rennrollstuhlsportlerinnen aus Battambang haben überraschend das Feld aufgemischt und vorallem auch die männlichen Sportler imponiert.

    Zu dem straffen Pensum, welches wir am Finaltag hatten, kam noch hinzu, dass einer der Rollisportler sich verletzte. Er war ohnmächtig geworden und aus dem Stuhl gekippt und hatte sich ernsthaft am Auge verletzt. Ich war gerade im World Cup - Hotel angekommen, wollte Frühstück-und-Mittag-Essen, als mich Neil anrief. Mir blieb der Bissen im Hals stecken, das Essen war wieder mal vergessen und fiel somit aus. Ich musste ins Stadion. Die Ambulance und unser CNVLD Arzt Aaron waren schon unterwegs. Aaron war ab da an den ganzen Tag beschäftigt Sophal, den Sportler, zu versorgen. Am Abend fuhren wir ihn wieder ins Krankenhaus, denn er sah so abwesend aus, er blieb zur Überwachung im Krankenhaus. Ich habe ihn am Sonntagmittag abgeholt und tatsächlich nach 3 Stunden mitnehmen können. Er war in Ordnung, „nur“ dehydriert und für mehr als 36 Stunden wohl ohne Nahrung gewesen. Die eigentlich simple Ursache war ganz schön kostspielig. Der Krankentransport kam 10$, das CT 70$, die Aufnahme im Krankenhaus 7.50$ und das Bett für eine Nacht 16.75$. Das kann ein Khmer sich ja gar nicht leisten! Kein Wunder, dass sie nicht ins Krankenhaus gehen, wenn sie krank sind!

     

    Die 10 Tage World Cup waren abwechslungsreich, gigantisch und wirklich ein Erfolg – ich möchte die Erfahrung nicht missen!

    Auch wenn ich noch ein Weilchen brauche um mich zu regenerieren. J

     

    Ich hoffe, die Bilder können die Atmosphäre etwas widerspiegeln. Die Bilder sind von Michael Huber (GER), Lars Dueerkop (GER), Doris Boettcher (GER) und  Aaron Root (USA).