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    November 06

    Sieng Sokchan – Eine beeindruckende Persönlichkeit

     

    Sieng Sokchan ist 25 Jahre, sie lebt zusammen mit ihrem 4jährigen Sohn in Boengchhoul Village, Samoulsey Commune, Terrumket District in der Battambang Provinz – und sie ist die erste CNVLD Rennrollstuhl Trainerin.

     

    Seit ihrem 14. Lebensjahr ist sie querschnittgelähmt. Zum Khmer Neujahrsfest zündete ein Feuerwerkskörper fehl und traf ihr Rückenmark. Im Krankenhaus befahl ihr Vater dem Personal sie umzubringen, aber ihre Mutter warf sich ihm vor und sagte, wenn er die Tochter umbringen wolle, dann nur über ihre Leiche. In dem Moment konnte ihre Mutter sie retten, leider verstarb diese ein halbes Jahr später an Herzversagen und der Vater verstieß Sokchan. Sie wurde als Halbwaise mit einer Querschnittlähmung nach einem Monat Krankenhausaufenthalt im Paraplegiker Zentrum in Battambang für 6 Monate aufgenommen. Das war 1996.

    Der Vater hatte sie verstoßen und die ganze Familie schaute auf sie herab. Dieses Gefühl hat sich in ihrem Kopf und in ihrem Herzen eingebrannt. Im Paraplegiker Zentrum bot man ihr die Möglichkeit, zur Schule zu gehen. Das war ihre Motivation um am Leben zu bleiben und sie begann zu kämpfen. Später bekam sie die Möglichkeit in weiteren Organisationen in Battambang aber auch in Phnom Penh eine Lehre zur Schneiderin zu machen. Im Jahr 2000 schloss sie ihre Lehre in Phnom Penh bei der Organisation JICA (Japan International Cooperation Agency) ab. Sokchan ging zurück nach Battambang und arbeitete und lebte wieder im Paraplegiker Zentrum. 2002 heiratete sie einen Minibus-Fahrer. An ihrer Hochzeit nahm auch ihre Familie teil, ein sporadischer Kontakt besteht nach wie vor.

    Als ihr Sohn ein Jahr alt war, im Jahr 2004, hat sie bei der lokalen Organisation Digital Divide Data (DDD) Computer- und Englischunterricht genommen. Sie kam in ihrem Rollstuhl zu den Kursen und ihr Sohn war immer mit dabei. Die Leute um sie herum waren überrascht, dass sie einen Sohn hat, obwohl sie doch eine so schwere Behinderung habe und vor allem, dass sie einen Mann hatte. Von dem sie allerdings mittlerweile geschieden ist. Wieder einmal kam das meiste Unverständnis von ihrer Familie. Das Verhalten ihres Vaters ist für Sokchan nicht nachvollziehbar, da er selbst eine Behinderung hat – er ist an Polio erkrankt. Warum schaut er auf sie herab? Diese Frage beschäftigt sie am meisten.

     

    Seit September 2007 gehört sie nun zur CNVLD Rennrollstuhl Familie. Sie ist die Trainerin des Battambang Teams. 4 Mal die Woche kommt sie zum Training zum ICRC Center.

    Ihren Alltag managed sie mit Bravour. 6 Uhr verlässt sie zusammen mit ihrem Sohn in ihrem Handbike ihr Haus, gegen 7 Uhr kommt sie am ICRC Center an und frühstückt. Dann bereitet sie die Rennrollstühle für das Team vor und wartet auf die Sportlerinnen. Die meisten kennen sich aus dem Paraplegiker Zentrum, sie sind Freundinnen seit langer Zeit. Gegen 7.30 Uhr beginnt das Team mit dem Training. Sie beginnen mit Dehn- und Kraftübungen und trainieren anschließend auf der Straße die durch Battambang und weitere 4 Dörfer führt bis sie wieder zum ICRC Center zurückkommen. 7km sind es am Stück. Zurück im ICRC Center trainieren sie die Kurzdistanzen und beenden das Training mit einem ausgedehnten Dehnprogramm.

    Der Trainingsplan ist ausgerichtet auf Kurzdistanzen. Auf die Frage, warum sie die 7km durch Battambang trainiert, antwortet Sokchan: „Ich möchte, dass mein Team ausdauernder und kräftiger wird um Chancen beim nächsten ANZR – CNLD Wettkampf in Phnom Penh zu haben. Außerdem bin ich stolz darauf, im Rennrollstuhl trainieren zu können und möchte dies der Öffentlichkeit zeigen.“

    Nach dem 2 ½ stündigen Training fährt Sokchan mit ihrem Sohn nach hause und kocht das Mittagessen für ihre kleine Familie. Am Nachmittag arbeitet sie als Schneiderin.

    Auf die Frage, warum sie zum CNVLD Rennrollstuhlsport gekommen ist, antwortet sie: Ich weiß aus Erfahrung, dass Bewegung gut für mich, meinen Körper und meine Gesundheit ist. Ich habe früher im Paraplegiker Zentrum Basketball gespielt. Jetzt möchte ich wieder an Wettkämpfen teilnehmen. Und in meinem Rennrollstuhl kann ich den Leuten in meiner Stadt zeigen, was ich trotz Behinderung leisten kann. Und dann habe ich nicht mehr das Gefühl, dass man auf mich herab schaut. Denn die Leute, an deren Häusern wir vorbeifahren sind beeindruckt von uns und fragen, ob sie uns helfen oder unterstützen können. Das ist ein sehr schönes Gefühl. Ich fühle mich dadurch akzeptiert.“ Denn, so sagt Sokchan, früher war sie oft allein, sie hatte kaum Freunde, aber durch den Sport fand sie Anschluss zu anderen Frauen mit Behinderungen.

    Sie trainiert seit knapp einem Monat wieder und in dieser kurzen Zeit konnte sie feststellen, dass es ihr gut tut. Sie hat einen größeren Appetit, schläft besser und fühlt sich körperlich gesünder und gut. Das spiegelt sich in ihrer Selbstdarstellung dar. Sie wirkt selbstbewusst und hat ein strahlendes Lächeln im Gesicht.

    Im Paraplegiker Zentrum hat man vor Jahren mit dem Sportprogramm aufgehört, deshalb sind die Frauen des Battambang Teams froh über das CNVLD Rennrollstuhlsport Angebot. Mit der Hilfe der ICRC Mitarbeiter und einem harten Training hat Sokchan sich zum Ziel gesetzt, körperlich fit und schneller zu werden, um bei den nächsten ANZR – CNVLD Wettkämpfen um die ersten Plätze kämpfen zu können. Sie freut sich darüber, die Möglichkeit zu haben, wieder Sport zu treiben und gemeinsam mit Gleichgesinden zu konkurrieren.

    Ganz wichtig für sie ist, sich der Öffentlichkeit zu präsentieren, um zu zeigen, was sie kann! Sie fühlt sich geehrt, die Trainerin des Teams zu sein und möchte es zum schnellsten CNVLD Frauenteam machen.